
Christoph Klapper
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Bernd Ader
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"Wir schaffen Raum" - ein Rahmen für die Altenheime der Caritas in der Diözese Münster
Menschenbild | Wohnen und Pflege | Hauswirtschaft | Sozialdienst | Pastorale Arbeit | Gemeinwesenarbeit | Milieugestaltung
Fast 14.000 ältere Menschen leben in den 183 Altenheimen der Caritas in der Diözese Münster. Betreut werden sie von einer etwa gleich großen Zahl von Mitarbeitern (zusammen über 7.500 Volltzeitstellen). Um gemeinsam einen hohen Standard an Qualität zu erreichen und ihn ständig weiter zu entwickeln, ist die Rahmenkonzeption erarbeitet worden. Sie gibt den einzelnen Altenheimen Anregungen und Hilfestellung für eigene Konzepte.
"Wir schaffen Raum" lautet der Titel der Rahmenkonzeption, nämlich
- für ein würdevolles Leben des einzelnen alten Menschen,
- für sinnstiftende Arbeitsplätze von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern,
- für überzeugende und glaubwürdige Erfahrungen im Umgang mit Menschen,
- für eine Kultur des Gemeinsamen, des Miteinanders und Füreinanders,
- für Glaubenserfahrung und Begegnung mit Gott.
Menschenbild
Ausgangspunkt und Ziel der Arbeit der katholischen Altenheime ist das Menschenbild, das in der biblischen Rede von der "Gottesebenbildlichkeit" des Menschen seinen tiefsten Ausdruck findet. Gottesebenbildlichkeit meint die Beziehung, in die sich Gott zum Menschen setzt. Das gilt für alle Zustände des Menschen, ob er gesund oder krank, ob er alt oder jung, ob er behindert oder nicht behindert ist.
Daher ist auch für die katholischen Altenheime das Menschenbild unteilbar und in gleicher Weise für alte Menschen, Mitarbeiter/innen und
Träger gültig. Es ist das Herzstück des Leitbildes. Es soll in den Dienstleistungen der katholischen Altenheime erkennbar
sein und sich im Verhalten, der Unternehmenskultur und den Strukturen widerspiegeln.
Die katholischen Altenheime orientieren sich an acht Grundbildern vom Menschen, die miteinander verwoben sind und den Menschen
in seiner Ganzheit prägen.
- Individualität und Würde
Die katholischen Altenheime erkennen die Einzigartigkeit des Menschen an, das heißt, jeder Mensch ist einmalig, unwiederholbar, unverwechselbar, unersetzbar, individuell. Als Person hat er die volle Verfügung über sich selbst in Selbstbewußtsein, Freiheit und Verantwortung. Jeder Mensch hat eine ihm eigene Würde. In dieser Würde sind alle Menschen gleich und unantastbar. - Selbstbestimmung und Mündigkeit
Die Würde eines jeden Menschen begründet ein Leben in Selbstbestimmung, Autonomie und Mündigkeit. Er ist ein freies Wesen mit Vernunft und eigenem Willen, die ihn befähigen zu beurteilen und zu entscheiden. - Transzendenz und Grenzhaftigkeit
Das Alter ist - bewußt oder unbewußt - ein Leben in der Nähe des Todes. In den Altenheimen ist die Sterblichkeit des Menschen und damit seine Grenzhaftigkeit ständig präsent in den Formen menschlicher Krankheit und menschlichen Leidens. Die katholischen Altenheime sind sich der Grenzen bewußt, die unterennbar mit dem Menschsein zusammenhängen. Sie richten ihren Blick auf die Glaubensbotschaft vom Leben, Leiden, Sterben und Auferstehen Jesu als positiver Botschaft, die Freude und Lust am Leben vermittelt. - Ganzheitlichkeit und Geschichtlichkeit
Die katholischen Altenheime nehmen den Menschen in seinen körperlichen, seelischen und geistigen Gegebenheiten wahr und begleiten ihn. Seine körperlichen, geistigen, emotionalen, spirituellen und schöpferischen Kräfte werden ganzheitlich gefördert. Die katholischen Altenheime achten die Traditionen, Sitten, Gebräuche, Gewohnheiten und Einstellungen des Menschen. - Sozialität und Universalität
Der Grundsatz der Sozialität besagt, dass der Mensch ein Wesen ist, das Gemeinschaft bildet und durch Gemeinschaft gebildet wird. Für die katholischen Altenheime ist die Gemeinschaft ebenso bindender Grundsatz wie die Solidarität mit den Schwächsten in der Gemeinschaft. - Wünsche und Bedürfnisse
Die katholischen Altenheime anerkennen und begrüßen die Individualität des Menschen mit seinen Wünschen und Bedürfnissen. Dieses entspricht dem christlich-karitativen Selbstverständis, auf die Wünsche und Bedürfnisse einzugehen und sie zum Maßstab der kundenorientierten Arbeit der Altenheime zu machen. - Bejahung und Wertschätzung
Die katholischen Altenheime verdrängen nicht den Blick auf menschliche Schwächen, Defizite, Behinderungen und Abhängigkeiten. In der Erkenntnis, dass niemand perfekt ist und über Schwächen auch Stärken wachsen, prägen Bejahung und Wertschätzung in den Altenheimen das Verhältnis untereinander. Allerdings richten die katholischen Altenheime die Wahrnehmung auf die Stärken und Talente des einzelnen, denn sie helfen, die Schwächen zu ertragen, zu bewältigen und zu stützen. - Entwicklung und Veränderung
Die katholischen Altenheime sehen den alten Menschen als sich verändernden und lernenden Menschen. Wachstum, Lebensbewältigungsprozesse und Umgang mit Veränderungen gehören zum Menschsein dazu. Krisen, Krankheit und Behinderung können dabei eine Chance sein, Entwicklungen in Gang zu setzen, zu wachsen und Veränderungen herbeizuführen.
Wohnen und Pflege
Dem Wohnen kommt eine existentielle Bedeutung zu, denn es zählt zu den elementaren menschlichen Bedürfnissen und ist zugleich Ausdruck der Lebensqualität. Daher ist das Wohnen in den katholischen Altenheimen von selbstbestimmter Lebensführung und Lebensqualität geprägt.
Die Altenheime stellen jedem/r Bewohner/in ein Einzelzimmer zur Verfügung, richten es nach seinen/ ihren Verstellungen ein und sichern durch spezielle Maßnahmen die Privatspähre. Die Altenheime geben dem Menschen die Gewißheit, ein endgültiges "Zuhause" gefunden zu haben - auch wenn eine erhöhte Pflegebedürftigkeit eintritt.
Die "ganzheitliche Lebenspflege" in den katholischen Altenheimen erstreckt sich auf alle Lebensbereiche des älteren Menschen. Sie ist orientiert an der Individualität und den Bedürfnissen des Menschen, sie ist "Hilfe zu Selbsthilfe", sie folgt dem Grundprinzip der "aktivierenden Pflege" und sie findet in einem zwischenmenschlichen Beziehnungsprozess statt.
Die Sicherung der Wohn- und Pflegequalität wird in den katholischen Altenheimen durch ein multiprofessionelles Team gewährleistet, in dem die verschiedenen Tätigkeitsbereiche klar zugeordnet sind. Die Einführung von Pflegestandards und die Überprüfung der Pflegequalität machen die Pflegeleistungen transparent - auch nach außen.
Hauswirtschaft
Die Hauswirtschaft in den katholischen Altenheimen sichert und fördert die individuelle Lebensqualität der Bewohner/innen und muss sich dementsprechend jederzeit als innovativ, kreativ, flexibel, kunden- und zukunftsorientiert erweisen. Das erfordert professionelles Handeln, fachliche Kompetenz und ökologisches Denken in der Speiseversorgung, Haustechnik, Hausreinigung, Wäscheversorgung und Hausgestaltung.
In der Hauswirtschaft arbeiten qualifizierte Mitarbeiter/innen, zum Beispiel Oecotrophologen/innen, Hauswirtschaftsmeister/innen, (Haus-)Wirtschafter/innen, Köche/innen, Haustechniker. Kontinuierliche Bildungsangebote, auch unter den angelernten Kräften in der Hauswirtschaft, erhöhen das Fachwissen und die Sozialkompetenz der Mitarbeiter/innen. Moderne Technik verbessern die Leistungen der Hauswirtschaft.
Durch ein differenziertes Leistungsangebot und Wahlmöglichkeiten bei der Leistungserbringung sowie der Qualitätskontrolle der erbrachten Leistungen in der Hauswirtschaft tragen die katholischen Altenheime zu Förderung der Lebensqualität der Bewohner/innen bei. Indem die Altenheime mit den natürlichen Ressourcen bewußt umgehen, verbessern sie die Gesundheit und die Umwelt der Bewohner/innen, zum Beispiel durch den Einsatz alternativer und umweltschonender Produkte oder durch Abfallvermeindung mittels Mehrwegverpackung.
Sozialdienst
Der Sozialdienst ist fester Bestandteil des Leistungsangebots in den katholischen Altenheimen. Er arbeitet bewohner-, haus- und gemeinwesenorientiert und bietet vor allem begleitende, beratende, therapeutische und rehabilitative Hilfen an. Die Hilfen orientieren sich an den Bedürfnissen der Bewohner/innen und entsprechen festgelegten Leistungs- und Qualitätsansprüchen.
Der Sozialdienst arbeitet multiprofessionell nach einem gemeinsamen Konzept, in dessen Grenzen jede/r Mitarbeiter/in eigenständig in seinem/ihrem berufsspezifischen Arbeitsfeld wirkt. Die Zusammenarbeit geschieht in Form von Teamarbeit, die die Kräfte zusammenführt und verstärkt.
Durch anamnestische Verfahren erhebt der Sozialdienst Bedürfnisse und Wünsche des/r Bewohners/in, die zur Erreichung gemeinsamer Ziele von Belang sind. Hierzu bietet der Sozialdienst soziale Einzelfallhilfe und soziale Gruppenarbeit, funktionelle Mobilitätsübungen und Körpertherapien, Hirnleistungs- und Realitätsorientierungstrainings, kreative, musische und hauswirtschaftliche Angebote, themenorientierte und stützende Gespräche, Krisenintervention und anderes mehr an.
Der Sozialdienst gestaltet den Lebensraum Altenheim und schafft Verbindungen zum sozialen Umfeld. Er hilft Bewohner/innen, ihre gewachsenen Beziehnungen zu Angehörigen, Nachbarn und dem weiteren Umfeld zu erhalten und neue Beziehungen insbesondere zu Mitbewohner/innen zu knüpfen. Der Sozialdeinst bezieht Menschen und Einrichtungen von außerhalb des Altenheims ein, er arbeitet mit Angehörigen und Ehrenamtlichen zusammen.
Pastorale Arbeit
Viele Mitarbeiter/innen, Angehörige, Ehrenamtliche und Bewohner/innen begleiten den anderen aus Überzeugung, aus Nächstenliebe und aus Freude an der Mitmenschlichkeit. Diese alltägliche Form der Pastoral ist ein überaus wichtiges Merkmal katholischer Altenheime und die Seele ihrer Altenhilfe.
Zudem gehört die professionelle Seelsorge zu den Kernleistungsbereichen katholischer Altenheime. Sie versucht aus dem christlichen Glauben heraus, die Grenzsituationen zu begleiten und die transzendente Dimension des Lebens als Lebenshilfe ins Spiel zu bringen. Ihr großer Vorteil ist, dass sie für die Begleitung auf eine bewährte, hilfreiche Form und Sprache der christlichen Tradition zurückgreifen kann.
Der pastorale Dienst akzentuiert den kirchlich-karitativen Auftrag der katholischen Altenheime und macht ihn durch Verkündigung und Liturgie deutlich. Die Verantwortung für die pastorale Arbeit im Altenheim trägt der Ortspfarrer. Die Heimleitungen sorgen für die Integration der pastoralen Arbeit und die Einbeziehung des/der pastoralen Mitarbeiters/in in die Struktur der katholischen Altenheime.
Gemeinwesenarbeit
Mit dem Wohnungswechsel in ein Altenheim bleibt der ältere Mensch selbständiges, vollwertiges und aktives Mitglied der Kommunalgemeinde. Dieses sicherzustellen und zu fördern ist die Aufgabe der Gemeinwesenarbeit. Das Ziel ist eine selbstverständliche Integration der katholischen Altenheime in das Gemeinwesen.
Die Gemeinwesenarbeit zielt auf ein soziales, kulturelles und politisches Zusammenleben der Bewohner/innen mit der Gemeinde ab. Dazu tragen die Akzeptanz der katholischen Altenheime durch eine gezielte Öffentlichkeitsarbeit sowie öffentliche Veranstaltungen in den Häusern für Gemeindemitglieder bei.
Um eine Beteiligung der Bewohner/innen an den gesellschaftlichen Aktivitäten zu ermöglichen, erhalten die Altenheime ihre Mobilität und fördern die physiologischen, kognitiven und sozialen Fähigkeiten. Eine Brückenfunktion übernehmen die Mitarbeiter/innen sowie die Ehrenamtlichen, die in ihren unterschiedlichen Funktionen implizit Öffentlichkeitsarbeit leisten und zugleich ein Stück Gemeinwesen in die Altenheime tragen.
Milieugestaltung
Das Milieu ist die Umwelt, die von unterschiedlichen Menschen in den Altenheimen mit ihren Bedürfnissen und Erfahrungen erlebt, genutzt und - soweit wie möglich - gestaltet wird. Einflussfaktoren für das Milieu sind Bewohner/innen und Mitarbeiter/innen, die Gebäude und ihre Räume sowie Bedingungen und Strukturen der Altenheime.
Die Milieugestaltung zielt darauf ab, mit den in den katholischen Altenheimen lebenden und arbeitenden Menschen eine Umwelt zu entwickeln, in der die unterschiedlichen Wünsche, Bedürfnisse und Fähigkeiten einen Platz finden und unterstützt werden. Wichtige Elemente der Milieugestaltung sind dabei unter anderem eine breitangelegte Mitbestimmung aller Beteiligter, Raum für Fantasie und kritisches Denken, Offenheit der Mitarbeiter/innen, Heimleitungen und Träger.
Unter gerontologischen Gesichtspunkten kommt bei der Milieugestaltung unter anderem der Erreichbarkeit und Zugänglichkeit der wichtigen Bereiche, der Sicherheit und Vertrautheit, der Anregung und Stimulation durch eine "sinnliche" Umweltgestaltung sowie der Orientierung und Kontrollierbarkeit durch Information und Überschaubarkeit eine besondere Wichtigkeit zu.

