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Stand: 13.07.2020

Pressemitteilung

Gesundheitsminister Laumann sichert Caritas Rückendeckung zu

20_07_07_Gespräch_Laumann_neuÜber die Besuchsregelungen für Altenheime sprach NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (Mitte) am Montagabend im Diözesancaritasverband Münster mit Vertretern der Diözesanen Arbeitsgemeinschaft Altenhilfe. (Rechts: Referatsleiter Pflege im MAGS, Dirk Suchanek. Links: Diözesancaritasdirektor Heinz-Josef Kessmann)Harald Westbeld/Caritas Münster

Münster (cpm). Die Altenheime müssen sich für Besuche wieder öffnen. Das ist und bleibt für NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann "alternativlos" und das sieht im Grundsatz so auch die Caritas in der Diözese Münster. In einem Gespräch mit Vertretern der Diözesanen Arbeitsgemeinschaft Altenhilfe am Montagabend im Diözesancaritasverband Münster sicherte Laumann den Altenheim-Trägern die Rückendeckung der Landesregierung im Fall neuer Infektionen zu. Eine Nachverfolgung sei wichtig, aber da "geht es nicht darum einen Schuldigen zu finden, sondern Infektionsketten zu unterbrechen", erklärte der Minister.

Während über die Notwendigkeit einer schrittweisen Öffnung der Altenheime Einigkeit bestand, war bislang die Haftungsfrage nicht beantwortet für die 205 Caritas-Einrichtungen in der Diözese Münster, in denen rund 16.000 alte und pflegebedürftige Menschen wohnen. Entgegen bisherigen, mit den Schutzverordnungen verbundenen Bußgeldkatalogen stellte der Referatsleiter Pflege im Gesundheitsministerium, Dirk Suchanek, klar: "Der Staat hat die Lockerungen angeordnet, damit ist die Haftung geklärt." Es werde auch keine Schuldzuweisungen aus seinem Haus geben, ergänzte Laumann. Diözesancaritasdirektor Heinz-Josef Kessmann begrüsste, dass die Landesregierung "die Einrichtungen nicht allein stehen lässt". Klärung und Einigkeit gab es auch in der Frage der notwendigen Zeit für die Umsetzung von Verordnungen. Die nur wenige Tage vor dem Muttertag verkündete Öffnung der Altenheime hatte zu großen Irritationen geführt. Künftig werde mehr Zeit eingeräumt, versicherte Minister Laumann.

Grundsätzlich habe kein Weg an einer Öffnung vorbeigeführt, erklärte der Gesundheitsminister. Nirgendwo sonst sei so streng in die Freiheitsrechte eingegriffen worden wie in der Altenpflege. Dass man damit gleich mehrere Artikel des Grundgesetzes außer Kraft gesetzt habe, sei zu dem Zeitpunkt gerechtfertigt gewesen, aber bei sinkenden Zahlen nicht mehr. Einerseits müsse man "möglichst viel Sicherheit einbauen, aber auch den Respekt vor den Menschen bewahren", sagte Laumann.

Für ihn sei die Einschränkung der Rechte die größte Belastung gewesen, bekannte Johannes Tepaße, Leiter des zur Stiftung Haus Hall gehörenden Altenheims Guter Hirte in Bocholt. Die Infektion eines Bewohners habe man professionell handhaben können. Problematischer seien die Schritte zu einer Öffnung. Seine Erkenntnis sei, dass es für solche Pandemien keine vernünftigen Konzepte gebe. "Mich haben 460 Mails mit Verordnungen erreicht, die zu beachten waren, sich aber teilweise widersprachen", erklärte Tepaße. Letztlich habe er selbst entscheiden müssen. Die sich zeitweise aus den Verordnungen ergebende Ratlosigkeit bestätigte Markus Giesbers, Leiter des Hauses St. Magnus in Everswinkel, in Folge der neuen Einschränkungen nach Ausbruch der Infektionen bei Tönnies.

Burkhard Baumann, Geschäftsführer der zur Caritas Steinfurt gehörenden Domus Caritas gGmbH, verwies auf den tiefen Schock, den Infektionen in betroffenen Heimen bei Mitarbeitern und Leitungen ausgelöst habe. Sein Verband sei durch einen Ausbruch in Metelen besonders betroffen gewesen. Um die Lücken in den Dienstplänen noch füllen zu können, habe man mit sieben Personaldienstleistern bundesweit zusammengearbeitet. Allein in einer Nacht seien drei Bewohner verstorben. Das ungenügende Vertrauen von Gesellschaft und Politik in die Fachlichkeit der Altenhilfe kritisierte Sebastan Koppers, Vorstand der Caritas Münster. Dabei hätten die Einrichtungen sie angesichts der Zahlen unter Beweis gestellt.

Laumann ist bewusst, dass es weitere Infektionen in Altenheimen geben werde. Wie nah diese Gefahr ist, hat Andreas Plietker aktuell erlebt. Er leitet das Haus St. Benedikt in Recke, das im April mehrere Infektionsfälle unter Bewohnern und Mitarbeitenden bewältigen musste. Fast wäre es jetzt wieder passiert. "Zum ersten Mal war ich froh über die Quarantäne", sagte Plietker. Der Test, dem sich alle neu einziehenden Bewohner unterziehen müssen, war negativ ausgefallen, aber innerhalb der siebentägigen Quarantänezeit stellte sich heraus, dass sich der alte Mann doch direkt vorher noch bei seinen Enkeln angesteckt hatte. "Selbst bei einem negativen Test können wir nicht sicher sein", sagte Plietker. Vorsicht bleibe daher geboten.

067-2020      (hgw)       7. Juli 2020

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